Das kostenlose Girokonto ist tot, es lebe der Service?

Das kostenlose Girokonto ist tot, es lebe der Service?

 

Um die Antwort direkt vorwegzunehmen: Bislang leider nicht.
Die Niedrigzinsen machen die klassischen Bankprodukte unrentabel und unattraktiv für die Banken. Das kostenlose Girokonto wird aussterben, künftig werden die Kunden wieder zur Kasse gebeten, wenn sie die Leistungen ihrer Bank in Anspruch nehmen. Viele Kunden verärgert das – besonders wenn es um Leistungen wie das Abheben von Bargeld am Automaten oder Online-Überweisungen geht.

Ein kurzes Vergnügen

Was viele gar nicht mehr wissen: So alt ist das kostenlose Girokonto noch gar nicht: Erst vor rund 20 Jahren entfiel das Entgelt für die Kontoführung in vielen Filialbanken, die, unter dem Druck der Direktbanken, auf Augenhöhe mit der Konkurrenz agieren wollten. Womit damals geworben wurde, wird nun mehr oder weniger stillschweigend abgeschafft.
Das ist in mehrerlei Hinsicht ein Fehler: Die heutigen Bankkunden sind es gewohnt, dass das Girokonto sie nichts kostet. Es ist für sie eine Standardleistung. Als Finanzinstitut ist es unerlässlich, solche Veränderungen vorzubereiten, indem beim Kunden ein Bewusstsein für den Wert ihrer Leistung geschaffen wird, doch das ist bisher nicht geschehen.
Im Gegenteil: Die Gebührenlandschaft ist unübersichtlich und uneinheitlich. Die Kunden haben eine Vielzahl an verschiedenen Möglichkeiten, die sich nur schwer vergleichen lassen. Wie soll ein Laie erkennen, welchen Mehrwert ihm  seine Hausbank noch bietet, wenn die Kommunikation so schlecht ist?

Keine Liebe für die Hausbank

Ein durchschnittlicher Bankkunde betritt im Schnitt einmal im Jahr eine (seine?) Bankfiliale, meist, wenn es um beratungsintensive Produkte geht, zum Beispiel zur Altersvorsorge. Ansonsten regelt er seine Bankangelegenheiten weitestgehend selbst. Solchen Kunden ist es nur schwer begreiflich zu machen, warum sie demnächst für jede Online-Überweisung zahlen dürfen – den Versuch sollten die Filialbanken aber trotzdem machen: Die vergangenen Jahre haben bereits einige Veränderungen mitgebracht.
Zahlreiche Fusionierungen und Filialschließungen haben nicht nur die Abläufe verschlankt, sie haben auch dazu geführt, dass die einst vertraute Hausbank ihr Gesicht verloren hat. In der Folge sind Kunden mittlerweile wechselfreudig und wenig emotional – es zählen Kosten und Leistung. Die so mühsam aufgebaute Beziehung zum Kunden, die mit Plastikspielzeug zum Weltspartag begann und vom kostenlosen Taschengeldkonto über die Altersvorsorge zur Vermögensberatung führen sollte, sie ist nun ebenso wertlos, wie die Kunden die Leistung  „Kostenlose Kontoführung“ ohnehin wahrnehmen. Auch wenn die einzelnen Leistungen intransparent sein mögen – im Zweifel geht es erst einmal dem kostenlosen Girokonto nach. Wenn man eh alles selber erledigen muss, kann man auch gleich zu einer Direktbank wechseln, dazu braucht es keine Filialen.

Die Abschaffung der Filialbanken?

Natürlich gibt es auch immer noch Kunden, die gerne in die Filiale gehen, die ihr Geld am Schalter abheben und ihre Daueraufträge und Überweisungen noch auf Papier einreichen. Leider sind diese Kunden auch nicht besonders beliebt, die Papierüberweisung soll teurer werden als die Onlineüberweisung – und ob es die vertraute Filiale in Zukunft überhaupt noch geben wird, ist fraglich.
Letztendlich müssen die Filialbanken sich fragen, ob und wie sie auch in Zukunft Berührungspunkte generieren können, um den Einfluss auf ihre Kunden nicht komplett zu verlieren. Sonst muss man sich bald fragen: Braucht das noch einer – oder kann das weg?

Bundesarchiv, Bild 183-V06526 / Paalzow, Günther / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-V06526, Halle, Bankbetrieb nach der Währungsreform, Größe verändert, CC BY-SA 3.0 DE